Interviews
The Subways – Interview #1
Kurz bevor sich Billy, Charlotte und Josh in ihre ausgedehnte und wohlverdiente Europatour stürzen, gewährt Energiepaket, Labertasche und „Herzensbub“ Billy noch einmal intensive Einblicke ins Seelenleben der wohl heißesten Live-Band dieses Festival-Sommers. Dabei outet er sich als hemmungsloser Romantiker, für den jeder Tag ein ganz großes Abenteuer ist und der noch 100 Alben mit den Subways veröffentlichen will. Baut also schon mal euren CD-Schrein aus!
Hallo Billy, wie isses so?
Ich habe gerade einen Tag frei und kann meine Füße hochlegen, bevor wir unsere letzten beiden UK-Shows spielen und dann Frankreich und Deutschland ansteuern. Es geht mir also ziemlich gut, danke!
Du bist zwar noch jung und frisch, aber wie wichtig sind solche Pausen trotzdem für dich?
Wir geben auf der Bühne ziemlich Gas, bewegen uns viel und kommen immer ganz geschlaucht wieder runter – schwitzig, schmerzerfüllt, voll im Arsch. Freie Tage werden also sehr genossen (lacht).
Wie hast du generell diesen Festivalsommer erlebt, den ersten mit dem neuen Album und nach deiner OP? War es schwer, wieder in die Spur zu kommen?
Dieser Sommer war wahrscheinlich der unglaublichste, den wir je hatten. Wir haben so viele Festivals gespielt, wie wir konnten, und bei jedem einzelnen hat uns die Reaktion des Publikums umgehauen: Sie sind durchgedreht, es gab Mosh Pits und Crowd Surfing, sie haben getanzt und mitgegrölt. Wir lieben den Sommer, wir lieben Festivals, wir lieben es, aus dem Tourbus zu steigen und den klaren blauen Himmel zu sehen, die Sonne und das Gras, und jeder freut sich darauf, eine tolle Zeit zu haben. Ich glaube, wir haben dieses Jahr mindestens 30 oder 40 Festivals gespielt und jedes davon war ein Vergnügen. Endlich von meiner Operation genesen zu sein und vor 40.000 zu spielen und dabei zehnmal besser singen und lauter schreien zu können als je zuvor, das war ein großartiges Erlebnis.
Sonne, Gras, Himmel – ganz schön romantisch.
(lacht) Stimmt, aber das ist eben alles ein ganz großes Abenteuer für uns, und dieser Sommer war einfach phantastisch!
Und deine Stimme? Alles paletti, keine Probleme?
Nicht ein einziges! Ich könnte jeden Tag problemlos von morgens bis abends singen, schreien, brüllen und tanzen. Ich fühle mich wie neu geboren und klettere jetzt wieder mit voller Power aus meinem Kokon – deswegen war dieser Sommer wahrscheinlich auch so genial, weil ich mir jeden Tag wie ein Opernsänger oder so was vorkam.
Aber jetzt bitte keine Opern schreiben!
Na gut, dann eben nur den Rock’n’Roll!
Was war dein Highlight unter all den Highlights?
Die Reaktion des Publikums auf dem Highfield hat uns wirklich erstaunt, quasi den Kopf weggeblasen. Schon beim ersten Song haben alle angefangen zu tanzen, und beim zweiten war alles einfach nur noch ein wogendes und grölendes Meer aus tanzenden Menschen, inklusive Crowd Surfing. Das war unglaublich.
Viele behaupten nicht zu unrecht, ihr wärt beim Hurricane dieses Jahr der beste Act gewesen.
Nicht doch, ich erröte ja (lacht)! Aber stimmt, Hurricane und Southside waren ebenfalls grandios. Besonders das Hurricane steht wohl in den Top3 unserer all time Lieblingsgigs. Auch die Tour in den USA war cool – wir haben zwar nur acht Gigs gespielt, trotzdem war es wahrscheinlich die härteste Tour, die wir je gemacht haben, da uns ständig Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden: Unser Tourmanager, der Gitarren- und Sound-Techniker hatten Visa-Probleme, also mussten wir ohne sie vorfahren und haben die Hälfte der Tour schön Rock’n’Roll-mäßig im DIY-Style durchgezogen. Jede Nacht haben wir unser Equipment selbst aufgebaut, die Show gespielt, drei Stunden gepennt, das Flugzeug genommen, eine andere Show gespielt, drei Stunden gepennt, wieder ein Flugzeug genommen und sind dann stundenlang zum Venue gefahren. Amerika ist so verdammt groß, das war ein großes Abenteuer für uns. Das Summer Sonic Festival in Japan war auch Hammer, das waren wohl die heißesten Shows, die wir jemals gespielt haben. Die Sonne hat so gesengt, dass man auf der Bühne nicht mal geschwitzt hat: Sobald du anfingst zu transpirieren, ist es auch schon wieder auf der Haut getrocknet.
Und wie war’s mit Charlotte auf Tour? Wer arbeitet denn schon gerne mit seiner Ex zusammen...
Ach, wir sind beste Freunde und haben jetzt eine Schreib-Partnerschaft – das könnte nicht besser laufen! Weil wir schon so viel zusammen erlebt haben und so viel durchstehen mussten, schreiben wir jetzt die besten Songs unseres Lebens. Wir vertrauen und respektieren uns und glauben an die Musik als unsere oberste Priorität. Jeden Morgen sind wir dankbar für das Land oder die Stadt, in der wir aufwachen, und das Festival, das wir spielen. Wir lieben es einfach, zusammen dieses große Abenteuer zu erleben – obwohl wir so viel durchstehen mussten. Oder besser: Gerade weil wir so viel durchstehen mussten.
Die Fans müssen sich also bei dieser vermeintlich explosiven Konstellation also wirklich keine Sorgen machen?
Auf gar keinen Fall – wir werden noch 100 Alben zusammen machen! (lacht)
Wie geht es Charlotte überhaupt? Den Gig beim Hamburger Reeperbahnfestival musstet ihr ja wegen ihrer Lebensmittelvergiftung absagen.
Das war furchtbar, sie lag zwei Wochen flach. Im September hatten wir drei Wochen frei, um zu entspannen und uns auf die kommende Deutschland-Tour vorzubereiten. Und zwei dieser drei Wochen war sie krank – sehr unglücklich. Also mussten wir den Gig in Hamburg absagen. Dann habe ich aber zu unseren Managern gesagt ‚Ich will aber nach Deutschland fahren und dort spielen!’ Und dann habe ich gefragt, ob es okay wäre, wenn ich da alleine mit meiner Akustikgitarre hinflöge und trotzdem spielte. Ich hasse es einfach, Fans zu enttäuschen, die Leute, die draußen anstehen, um uns spielen zu sehen. Also habe ich mir die Gitarre geschnappt, bin zum Flughafen und dort in einen Flieger gesprungen, nach Hamburg geflogen, habe mich dort auf die Bühne gestellt und so viele Songs wie möglich gespielt. Eine großartige Erfahrung, ich bin froh, das gemacht zu haben. Die deutschen Fans sind fantastisch, ich nutze jede Gelegenheit, bei euch spielen zu können. Na ja, Charlotte geht es inzwischen jedenfalls wieder gut. Sie ist fit wie nie zuvor und auf der Tour in Deutschland werden wir 1000 Prozent geben.
So viel gleich?
Yeah, 1000 von 100 Prozent!
Hast du jetzt Blut geleckt? Wird es weitere Billy-Solo-Konzerte geben?
Akustik-Gigs mag ich tatsächlich sehr gern. Ich schreibe ja auch alle Songs auf meiner Akustikgitarre, damit beginnt alles. Insofern ist es ziemlich einfach, unsere Rock-Songs wieder auf Akustik-Nummern runterzubrechen. Immer, wenn ich mal zwei Wochen zu Hause bin, trommle ich alle meine Freunde zusammen und organisiere eine Akustik-Show in unserem örtlichen Klub. Einfach nur deshalb, weil ich es hasse, nicht zu spielen. Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen und zu spielen, ich liebe diese Verbindung zum Publikum. Selbst wenn ich also eigentlich relaxen sollte, spiele ich Shows. Insofern hoffe ich natürlich, dass in Zukunft noch ein paar Akustik-Gigs dazukommen.
Bist du ein Bühnenjunkie?
Das kann man so sagen. Ganz ehrlich fühle ich mich auf der Bühne am wohlsten. Dort fühle ich mich vollständig und zufrieden, es gibt mir einen Grund, weiter zu atmen. Ich liebe es, dieses Mikrofon zu haben und all diese Emotionen und Gedanken, die ich habe, zu teilen.
Bei uns heißt so etwas „Rampensau“.
(lacht) Das kann ich nie im Leben aussprechen! Das soll ich sein?
Natürlich ohne die negative Konnotation.
Na gut, dann ist das okay!
Um das noch mal klarzustellen und Vorurteile gegenüber englischem Essen zu bekräftigen: Was hat Charlotte gegessen?
Ich glaube, es war Huhn. Englisches Huhn. Von dem wird sie sich in Zukunft wohl fernhalten und stattdessen deutsches nehmen.
Was hältst du denn von deutschem Essen, sprich: unserem Bier?
Das beste in der ganzen Welt! Ich habe vor kurzem mit unserer Support-Band Twin Atlantic gesprochen, die wir nach Deutschland mitbringen. Die waren noch nie bei euch, sind völlig aufgeregt und wollten von mir wissen, was das Beste an Deutschland sei. Und da habe ich gesagt ‚Abgesehen vom tollen Publikum ganz klar das Essen und das Bier!’ Okay, eigentlich hauptsächlich das Bier – das Erste, was wir machen werden, wenn wir ankommen, ist, uns in eine Pinte zu setzen und ein schnelles Pint vor dem Soundcheck zu picheln.
„All or Nothing“ war ziemlich erfolgreich in Deutschland – wieso funktioniert euer Sound deiner Meinung nach so gut beim deutschen Publikum?
Weil das deutsche Publikum einfach einen guten Geschmack hat (lacht). Nein, es liegt einfach daran, dass wir Deutschland sehr mögen und jede Gelegenheit nutzen, live bei euch zu spielen – ich glaube, wir sind in Deutschland fast so viel getourt wie auf der Insel. Außerdem ist Deutschland ein sehr Rock-orientiertes Land, wir fühlen uns immer wie zu Hause dort, da uns die Leute einfach verstehen. Während England eher auf Rock ausgerichtet ist, geht’s in Deutschland noch um den richtigen Rock’n’Roll.
Und richtiger Rock’n’Roll kommt nun mal von den Subways.
(Lacht) Das denke ich auch, aber lassen wir das deutsche Publikum entscheiden!
Das war natürlich noch längst nicht alles, was Billy seinen Fans zu sagen hat. Lest im zweiten Teil, wie das dritte Subways-Album klingen wird, warum The Subways heute „My House“ heißen würden und warum Welwyn Garden City Billy, Charlotte und Josh wider Erwarten nicht in den Irrsinn getrieben hat. Schon bald an dieser Stelle!
Interview & Fotos: Ben Foitzik